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Stein und Krippe
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Über
die Jahreswende 2000/2001 stand der Stein im Innenhof
der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika auf Burg
Dinklage. Nach dem Stadtleben in Leipzig war er hier
von weißer Stille umgeben. In Zusammenarbeit
mit den Frauenreferaten Vechta, Münster und Osnabrück
hatten die Benediktinerinnen an zwei Terminen Frauen
eingeladen zu einem Tag der Stille am Stein. |
An beiden
Tagen kamen jeweils mehr als 70 Frauen. Nicht wenige
hatten lange Anfahrten in Kauf genommen, um sich diesen
Tag zu gönnen. Stein und Krippe - was zunächst
wie ein sperriger Gegensatz aussah, erwies sich als
sehr anregender Impuls. Weihnachten zu feiern, macht
nur Sinn aus der Perspektive von Ostern. Das verbindendes
Wort hieß Bethlehem': Ort der Geburt Jesu
Christi und Herkunftsort des Steines.
Nachhaltiger war eine weitere Parallele: Die Frage
der Frauen am Ostermorgen, "Wer wird den Stein
wegrollen?" erinnert sehr an die Frage Marias
an den Engel Gabriel: "Wie soll das geschehen?".
Im liebenden Vertrauen, in einer Hingabe, die weiß,
dass der Weg Gottes mit uns Menschen immer ganz anders
ist, als wir uns vorstellen können, sagen sie
ja', machen sie sich auf den Weg - hoffend,
vertrauend wider alle Hoffnung, wider allen besseren
Wissens.
So wurden die Frauen am Ostermorgen den Teilnehmerinnen
zu ermutigenden Vorbildern. Denn Steine, die den Zugang
zum Leben, zum Geliebten, zur ersehnten Hoffnung versperren,
gibt es auch heute viele: das krisenhafte Zusammenleben
mit dem Partner; nicht nachvollziehbare Wege der Kinder,
Krankheit, Arbeitslosigkeit, das Gefühl, nicht
mehr gebraucht zu werden oder aber das Gefühl,
von allen Seiten ausgenutzt zu werden; das bedrohliche
Atommüllzwischenlager vor der Haustür; Leiden
an innerkirchlichen Entscheidungen...
Prägendes Thema war auch der eigene Glaube an
die Auferstehung. Zweifel, persönliche Wunschvorstellungen,
eigene Erfahrungen mit dem Tod und der Hoffnung...
Dabei bot die Gestaltung des Tages Raum
für das nachdenkliche Gespräch und viel
Zeit für Stille und Gebet. |
| Der
meditative Tanz in der Mittagszeit musste wegen des
Wetters in die Kirche verlegt werden, rund um den
Steinaltar - was sich als zusätzliche Bereicherung
erwies. |
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| Verdichtet
wurde dieser Tag in der Abschlussrunde um den Stein
im Innenhof. Es war feucht und kalt und zugleich
durchdrungen von einer Intensität und Wärme,
die tief beeindruckend war. Hier wurden Gedanken,
Anregungen, Erfahrungen, Dank und Bitte aus dem
Tag heraus formuliert und allen in schwesterlicher
Solidarität anvertraut.
In der abschließenden
Vesper in der Klosterkirche war dann Gelegenheit
den Tag betend ausklingen zu lassen.
Es war ein bewegter und bewegender Tag der Stille
am Stein. Zum Weiterdenken
eine kleine Geschichte zum Stein aus der benediktinischen
Tradition: |
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Als
die Brüder eines Tages dabei waren, die Wohnräume
des Klosters zu bauen, lag in der Mitte ein Stein.
Den wollten sie in das Mauerwerk einfügen. Zwei
oder drei konnten ihn nicht bewegen, und auch als
viele anfassten, blieb er so unbeweglich liegen, als
wäre er im Erdboden verwurzelt. Da wurde ganz
klar, dass der Alte Feind selbst sich auf ihn gesetzt
hatte; konnten ihn doch die Hände so vieler Männer
nicht von der Stelle bewegen. In dieser Schwierigkeit
schickten sie zum Mann Gottes ( Benedikt), er möge
kommen und durch sein Gebet den Feind vertreiben,
damit sie den Stein emporheben könnten.
Benedikt kam sofort, betete und gab den Segen. Da
ließ sich der Stein so schnell heben, als wäre
er zuvor nicht so schwer gewesen. (Gregor der Große,
Der hl. Benedikt, Kp. 9) |
Kontaktadresse:
Benediktinerinnenabtei St. Scholastika
Burg Dinklage
Burgallee 5-6, 49413 Dinklage
Tel. 04443-1268Fax: 04443-3670
Wer
wird den Stein wegrollen?
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