| "Wer
wird den Stein wegrollen?" war die Leitfrage
des bundesweiten Projekts, das die Arbeitsstelle
für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz
und die Diözesanstellen Frauenseelsorge zum
Heiligen Jahr 2000 durchführten. Im Mittelpunkt
stand ein Stein von 1,40 m Durchmesser aus einem
Steinbetrieb in der Nähe von Bethlehem. In
seiner Form ist er den Rollsteinen nachempfunden,
wie sie zurzeit Christi häufig vor Gräber
gewälzt wurden, um diese zu verschließen.
In den Stein der Frauenseelsorge ist die Frage eingemeißelt:
"Wer wird den Stein wegrollen?". Zwischen
Ostern 2000 und Ostern 2001 machte dieser Stein
an 30 Orten Station. Dabei legte er ungefähr
6.200 km zurück. Die Frauenseelsorge-Stellen
der Diözesen boten an den jeweiligen Orten
zu der Leitfrage des Projekts Veranstaltungen mit
dem Stein an, häufig in enger Kooperation mit
Frauenverbänden, an zahlreichen Orten ebenfalls
in ökumenischer Zusammenarbeit. Außerdem
wurde der Stein in Klöstern verschiedener Ordensgemeinschaften
zum Kristallisationspunkt für geistliche Gespräche.
Der Auftakt
des bundesweiten Projekts war Ostermontag, 24. April
2000 im Domforum Köln. Ostern 2001 wurde der
Stein im Areal des Klosters Helfta bei Magdeburg
dauerhaft aufgestellt, einem Ort mittelalterlicher
Frauenmystik, an dem Cistercienserinnen leben.
Die Inschrift des
Steins "Wer wird den Stein wegrollen?"
erinnert an die Frage der Frauen auf dem Weg zum
Grab Jesu am Ostermorgen, die vom Evangelisten Markus
überliefert wird (Mk
16,1-8). Zwischen Leid und Auferstehung,
dies ist das Spannungsfeld, in dem sich die Frauen
im Markus-Evangelium bewegten.
Auch heute machen
Frauen die Erfahrung, dass es einen "Stein"
gibt im persönlichen Leben, in der Gesellschaft,
in der Kirche und zwischen Kulturen und Religionen
- einen Stein, der unüberwindbar zu sein scheint.
Diese Erfahrung bedrückt, lähmt, lässt
manchmal am Lebenssinn und am Glauben zweifeln.
Der Stein aus der Nähe Bethlehems, der durch
Deutschland wanderte, symbolisiert in seiner Härte
das Hindernis, das den Zugang zur befreienden Erfahrung
versperrt. Gerade durch die Präsenz dieses
schweren Steines bekommt die Frage "Wer wird
den Stein wegrollen?" das entscheidende Gewicht.
Denn in der Konfrontation mit diesem Stein lässt
sich unmittelbar erfahren, dass sich in und durch
Versteinerungen hindurch das Leben neu eröffnen
kann. Der Stein aus dem Land der Bibel, der rückverweist
auf die Ostererzählung der Evangelien, ist
ein Zeichen dafür, dass es gerade auch im Ringen
um die im eigenen Leben erfahrenen "Steine"
möglich ist, sich immer wieder neu als Erlöste
zu begreifen.
Das Versprechen, das
die Erzählung des Markus-Evangeliums in sich
birgt, ist: Es gibt Befreiung, die jegliche Erstarrungen
überwindet. Indem die Frauenseelsorge diesen
ca. 1000 kg schweren Stein von Ort zu Ort weiterbewegte,
gibt sie der Überzeugung Ausdruck, dass versteinerte
Situationen wieder in Bewegung geraten werden. In
der Konfrontation mit diesem Stein und mit den "Steinen",
die das Leben von Frauen beschweren - im Hinsehen,
im Benennen, im Klagen und Anklagen, im Beten, im
Wünschen und im gemeinsamen Handeln - haben
Frauen in den Veranstaltungen das ihnen Mögliche
getan, um "Steine" in Bewegung zu bringen.
Dieses Kräftepotential,
das Frauen in der Begegnung mit dem Stein freisetzen
konnten, entfaltete sich nicht nur an konkreten
Orten, sondern auch im virtuellen Raum des Internet.
Zwischen Ostern 2001 und Pfingsten 2001 gab es zusätzlich
die Möglichkeit der Begegnung mit dem Stein
in der Kirche der virtuellen Stadt "funcity",
wo unter anderem zwei Chats mit Verantwortlichen
des bundesweiten Projekts stattfanden. Im Zusammenhang
mit dem virtuellen Stein der Frauenseelsorge in
der "funcity"-Kirche gab es auch die Möglichkeit,
in ein Fürbittbuch Gedanken, Gebete und Fürbitten
hineinzuschreiben, welche die Schwestern des Klosters
Helfta sodann in ihre Gottesdienste mit hineinnahmen.
In den Veranstaltungen
des Projekts wurde um Unterstützung für
das Projekt "Women Advocating for Peace"
gebeten. "Women Advocating for Peace"
dient der Verständigung zwischen palästinensischen
und israelischen Frauen, zwischen Jüdinnen,
Christinnen und Musliminnen im Nahen Osten. |