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Der Stein, der das Grab Jesu verschließt,
ist zunächst ein Symbol des Todes und
der Gewalt. Er verschließt Jesus vor den Lebenden und lastet
den Jüngerinnen mit
Angst und Trauer auf der Seele. In dem Moment jedoch, als die
Osterfrauen sehen,
dass der Stein weggewälzt ist, verwandelt sich das Symbol
des Todes zum Symbol
der Auferstehung. Die drei Frauen stehen in der Morgenröte
eines neuen Tages,
der Leben verheißt.
Eine ähnliche Kehrtwende hat es im
Herbst 1989 mit den Steinen der Berliner
Mauer gegeben. Noch vor wenigen Jahren standen sie an der deutsch-deutschen
Grenze als klares Zeichen für Hass und Gewalt, für
Trennung und Feindschaft.
Aber als die Mauer endlich zum Ein-sturz gebracht worden war,
wollten die
"Mauerspechte" unbedingt ein Stück von ihr in
Händen halten und brachen sich
einen Stein heraus. Das Zeichen von Hass und Zwietracht, Tod
und Gewalt
verwandelte sich in ihren Händen zu einem Zeichen der Hoffnung.
Einige Frauen,
mit denen ich arbeite, haben einen solchen Stein. Sie hüten
ihn wie einen
Schatz. Denn mitten in persönlichen und gesellschaftlichen
Schwierigkeiten lässt
er sie nicht vergessen, dass die Mauer tatsächlich gefallen
ist.
Wenn der STEIN an Ostern nach Helfta kommt
und hier seinen bleibenden Ort
findet, wird er auch an diese Erfahrung erinnern. "Seht,
der Stein ist
weggerollt!" Das Symbol des Todes hat sich zum Symbol des
Lebens verwandelt. Der
Stein verschließt nicht mehr das Felsengrab; aber er wird
auch nicht beseitigt.
Er bleibt als weggerollter Stein sichtbar und erinnert daran,
dass mitten in
Bedrängnis und drohender Gewalt Frieden und Verständigung
möglich sind. Denn an
Ostern ist eine Kraft am Werk, die alles Verstehen übersteigt.
Sie hat die Mauer
zum Einsturz gebracht und den Stein vom Grab gerollt. Und das
Leben steht auf
aus dem Tod. |