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Barbara Bagorski, Eichstätt, Mitglied des Vorstands
der bundesweiten katholischen Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge,
spricht für die katholische Frauenseelsorge
Vieles ist in den Veranstaltungen,
die hauptverantwortlich von der Frauenseelsorge durchgeführt
wurden, durch den Stein ins Rollen gekommen. Die Arbeitsgemeinschaft
Frauenseelsorge wünscht, dass der Stein von Helfta aus dazu
anstößt, dass die Ökumene, die in der Frauenarbeit
starke Wurzeln geschlagen hat, sich kräftig weiter entfaltet.
Auch wenn der Weg manchmal steinig ist: Ökumene weist uns
die Richtung.
Es geht auch darum, Räume
zu schaffen, in denen Frauen verschiedenster Nationalitäten,
Konfessionen und Religionen ihre unterschiedlichen Sichtweisen
zur Sprache bringen und gemeinsame Wege zur Schaffung von freiheitlichen
Lebensräumen zu finden. Der Stein lädt aus unserer
Sicht auch dazu ein, Gewalterfahrungen, die in einem religiösen
oder kulturellen Kontext gründen, zu benennen und miteinander
für die Befreiung von Unterdrückungsstrukturen zu kämpfen.
Ein Schritt auf diesem Weg ist
die Vertiefung der bestehenden Kontakte zu den Verantwortlichen
des Projekts "Women Advocating for Peace", durch deren
Arbeit ein Netzwerk der Verständigung zwischen Menschen
in Palästina und Israel geknüpft wird. Wir streben
eine langfristige Partnerinnenschaft an.
Die Förderung der Begegnung
von Frauen verschiedenster Herkunft und Prägung kann auch
in Zukunft viele Steine des Unverständnisses und der Fremdheit
ins Rollen bringen.
Barbara Striegel, Merseburg, spricht für die Frauen
im Bistum Magdeburg
So wie die Auferstehung Jesu,
angesichts des weggerollten Steines, für die Frauen ein
Wunder war, so nahmen auch die Menschen den friedvollen Verlauf
der Wende, den schnellen Zusammenbruch eines totalitären
Regimes, als ein Wunder wahr. Die Geschehnisse der letzten Jahre,
sie sind auch die Voraussetzung dafür, dass dieser Stein
hier in Helfta seinen Ort findet. Doch nach zehn Jahren deutscher
Einheit ist die Mauer in den Köpfen vieler Menschen immer
noch präsent und prägt ihr Verhalten zu einander.
Das betrifft auch uns Frauen.
Die Einen haben den Blick nicht frei, angesichts der gravierenden
Veränderungen in ihrem Leben und der damit verbundenen Probleme.
Die Anderen reagieren zum Teil mit Desinteresse oder sehen in
der Wiedervereinigung eher eine Belastung denn eine ihnen sich
eröffnende Chance. So wird der Stein auch zum Symbol der
Öffnung zwischen Frauen aus Ost und West. Denn wo sich Frauen
hierher auf den Weg machen, sich in den Blick nehmen und sich
einander in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen wahrnehmen,
wird Begegnung gelingen, kommt etwas ins Rollen und wird sich
uns Wunderbares eröffnen.
Ulrike Taggeselle, Eisleben, spricht für die Frauen
in der Evangelischen Landeskirche
Als evangelische Christin im
Mansfelder Land erlebe ich uns Frauen hier in der Spannung, wie
sie das Thema unseres ökumenischen Frauenfestes ausdrückt.
Einerseits: "Wer könnte uns den Stein vom Eingang des
Grabes wegwälzen?" Andererseits: "Seht, der Stein
ist weggerollt!" Sehr junge Frauen müssen sich entscheiden
zwischen hier bleiben oder weggehen. Zwischen wenig Aussichten
auf berufliche Entwicklung oder Entwurzelung.
Dazwischen stehen viele Frauen,
die von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen sind, die mühsam
nach neuen Perspektiven für sich suchen. Frauen, die mutig
beginnen, ihre Ideen umzusetzen und sich zum Beispiel selbständig
machen. In dieser Spannung stehen auch die Christinnen in diesem
Landstrich. Sie erleben sich in einer Umwelt, in der ihr Glaube
nur noch in kleinen Gruppen gefragt ist und haben doch das unbändige
Vertrauen in Gottes Geist und Kraft, die immer wieder Leben und
neuen Mut in uns weckt.
Schwester Judith Hensel spricht für die Schwestern des
Klosters Helfta
Als wir zum ersten Mal von diesem
Stein erfuhren, dass er aus dem Heiligen Land kommen, durch Deutschland
rollen und dann für immer hierher nach Helfta kommen soll,
erfüllte uns große Freude. Warum? Nun, einmal empfanden
wir es als etwas ganz Schönes und Großes, dass wir
auf Dauer ein Stück Gestein aus dem Heiligen Land hier haben
dürfen, in dem Jesus sein Erdenleben verbracht hat. Vielleicht
ist er auch einmal über den Berg gewandert, in dem dieser
Stein damals schlummerte. So bringt er uns einen Hauch aus der
irdischen Heimat Jesu mit. Ferner: Er ist ein Abbild jenes Steines,
der den Frauen auf ihrem Weg zum Grab solche Sorge machte. Wer
wird uns den Stein wegrollen? Und dann war er schon weg! Und
so ist dieser Stein uns ein Hoffnungszeichen: Auch hier hat Gott
schon sehr viele Steine weggerollt. Und er wird auch die, die
da noch liegen oder in Zukunft auf uns zukommen, uns wegrollen
oder doch wegrollen helfen. Und endlich: Beim Anblick dieses
Steines stehen vor unseren Augen all die von Licht umstrahlten
Szenen, die uns die Bibel vom Ostermorgen berichtet: die Begegnung
Jesu mit den Frauen, die ihn salben wollten; seine Begegnung
mit Maria
Magdalena. Ich will es gar nicht verhehlen, dass es uns mit Freude
und Stolz erfüllt, dass Frauen als erste sich am Grab aufmachten,
dass Frauen als erste den Auferstandenen sehen und mit ihm sprechen
durften, als erste die Botschaft von der Auferstehung verkünden
durften. Und so denken wir, ist der Stein hier, an diesem "Frauen-Ort",
am rechten Platz.
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