| Betrachtungen zur Bibelstelle Unter Schreien und Schmerzen zur Nachfolge geboren Meditation zu Mk 16,1-8 Wer wird uns den Stein vom Grab wegrollen? … Gedanken zur "Schutzengelaktion" von missio Einmal werden die Steine leicht auf unseren Gräbern liegen ... Gemeinsam auf dem Weg Interpretation zu Mk 16,1-8 Die Frauen am Grab - Wenn ein Stein ins Rollen kommt Die Frauen am Grab Wer rollt den Stein vom Grab weg? - "Spiritualität des Nichtaufgebens" Nachdenkliches zu Mk 16,1-8 Wer wird den Stein wegrollen? Brief von Maria von Magdala Der Stein und das Diakonat der Frau Mein Weg mit Markus 16, 1-8
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Einmal werden die Steine leicht auf unseren Gräbern liegen ... (W. Bruners) | ||
| Simone Beauvoir pflegte ihre krebskranke Mutter. Die einzelnen Stufen ihres Sterbens beschreibt sie in dem Buch "Ein sanfter Tod". Dieses Buch eröffnete sie mit folgendem Text: "Geh nicht einfach vornehm hinein wie in eine gute Nacht. Du solltest wutentbrannt sein, wenn der Tag zur Neige geht. Rasen solltest Du und Dich aufbäumen wider das Gesetz vom Tod des Lichtes." Diese Aufforderung ist für mich überzeugend und zugleich hoffnungslos. Auch die drei namentlich genannten Frauen, die unterwegs zum Grab Jesu waren, waren voller Enttäuschung, Schmerz und vielleicht auch Wut. Ihre Gespräche drehten sich sicherlich um das eine Thema, das sie beschäftigte: Jesu Hinrichtung und Tod. Es sind die gleichen Frauen, die beim Kreuz namentlich genannt werden (15,40). "Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?" Diese Frage kann uns überraschen, denn die Frauen wußten von dem Stein und hätten das Wegwälzen organisieren können. Wenn es ein Rollstein war, so konnte ihn ein Mann wegrollen - also sicher auch drei Frauen. Es könnte aber sein, daß die Frauen ein Hindernis in der Begegnung mit Jesus spürten: Ein Stein, der den Zugang zu Jesus versperrt. Doch diese oder ähnliche Fragen hielten die Frauen nicht von ihrem Vorhaben ab. Vor einigen Jahren führten junge Erwachsene in der Osternacht ein Predigtspiel auf. Einzelne Personen und auch der Stein erzählten, wie sie fühlten, was sie dachten. "Ich bin der Stein, ihr Menschen. Eigentlich kann mich nichts erschüttern! Ich bin nicht irgendein kleiner Kiesel, achtlos hingeworfen. Kein Stein, den man so einfach mit einer Fußbewegung beiseite schiebt. Ich bin der Stein, das Monument, das man vor Sein Grab gewälzt hat. Ich bin der Stein, hart und stark und unverrückbar. Wind, Wasser, Sturm und Blitz haben kaum Spuren an mir hinterlassen. Meißel und Hammer zerbrechen an mir. Ich bin der Stein, das Siegel der Verschwiegenheit, der end-gültigen Ruhe, das sie auf Sein Grab drückten. Aus, verschlossen, zu! Vorbei. Endgültig vorbei. Wenn ich einmal einen Standpunkt eingenommen habe, dann bewege ich mich alleine nicht mehr. Auf mich ist Verlaß. Ich bin der Stein, den sie als Schlusspunkt vor Sein Grab wälzten. Da wächst kein Gras der Hoffnung mehr. Hart und kalt bis in den Kern meines Seins bin ich die Garantie für Sicherheit und Ruhe. Eigentlich kann mich nichts erschüttern." "Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß." Das Wunder deutet sich an. Das Unerwartete war geschehen: der Stein lag nicht mehr vor dem Grab. Das Grab war offen, so dass die Frauen hineingehen konnten. Die Jugendlichen in jener Osternacht formulierten weiter: "Ich war der Stein. Doch ich bin bewegt. In Bewegung gebracht von einem, der stärker ist als ich; Der lebendiger ist als ich, der voller Leben ist: Ich bin nicht mehr das unverrückbare Monument, das Siegel der Verschwiegenheit, der Schlußpunkt. Ich bin gewichen vor dem, der zum Eckstein wurde. Ich werde Zeugnis abgeben von diesem Geschehen." In unser Exerzitien- und Bildungshaus kommen viele Menschen - hauptsächlich Frauen -, die Sehnsucht nach mehr Leben spüren. Wenn ich an manche Gespräche denke oder auch an mein eigenes Leben, dann weiß ich, daß es nicht der eine große Stein ist, der Leben verhindert, sondern viele kleinere und größere Steine verschließen das Grab. Verschließen die Möglicheiten zu mehr Leben, schütten Lebensmöglichkeiten zu. "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmt Zeit: eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, ..." (Kohelet 3, 1.5). Es geht um die Steine, die sich in jedem von uns ansammeln. Steine die Leben mit anderen - und darum auch mit mir selbst - verhindern: Steine der Unbarmherzigkeit, der Lieblosigkeit, des übereinander redens, des Egoismus, der Toleranzlosigkeit, des Machtstrebens um jeden Preis, des übergangen-seins, des beleidigt-seins, Steine der Vorurteile, des Mißtrauens und viele, viele andere Steine. In das eigene Grab hineinschauen, kann mich in Angst und Entsetzen stürzen. Doch Jesus, der aus seinem Grab auferweckt wurde, steigt mit hinein in mein Grab. " ... hinabgestiegen in das Reich des Todes ...", so beten wir im Glaubensbekenntnis. Er wälzt den Stein von meinem Grab, wenn ich das Leben suche, wenn ich mich auf den Weg mache - vielleicht mit vielen Fragen - wie die Frauen. Gott ist immer ein Zuvor-kommender Gott. "... Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr in sehen, wie er es euch gesagt hat..." Die Menschen, die sich in unserem Haus oder sonstwo auf einen Suchprozess einlassen, die Steine wegrollen und Leben erfahren, gehen voller Mut, hoffnungsvoll, verwundert und überrascht über das Wunder, das an ihnen geschah, zurück an ihren Ort, nach ihrem Galiläa, dorthin, wo sie im Alltag bezeugen: Es gibt keinen Stein in unserem Leben, der nicht zu bewegen ist, mag er noch so groß und mögen es noch so viele sein, denn Jesus ist auferstanden. Mir wurde dies zugesagt, ich habe es erfahren und will es - so gut ich kann - bezeugen. Sr. Gertrud Meiser SAC, Leiterin des Exerzitien- und Bildungshauses der Pallottinerinnen |
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