Wie ein Stein die Nachbarschaft
ins Rollen brachte

 
 
Wir, Familie mit damals drei Kindern, haben gebaut. Als "Kinderreiche" war und ist es nicht so einfach, geeigneten Wohnraum zu finden, deshalb wurden alle Reserven mobilisiert (finanziell und körperlich) und ein Projekt in Angriff genommen:

"Bausatz mit Muskelhypothek"

Nach der Planung, gewaltigem Erdaushub, da unser Grundstück schon zu den Steillagen zu zählen ist, Fertigstellen der Fundamente und der ersten Bodenplatte konnten wir in Aktion treten. Der Bausatz bestand aus sogenannten Schalsteinen, d.h. Leichtbetonsteine als Rahmen, die mit Beton ausgegossen wurden. Laut Hersteller sollte dieses System wie "LEGO" zu handhaben sein. Also, Ärmel hoch und los geht's!

Jede freie Stunde war die komplette Familie am Bau zu finden. Nur mit "LEGO" war es nicht ganz so einfach. Zum einen vom Gewicht her, zum zweiten von der Passform. Die Kinder hörten dem zu Folge ihre Eltern öfter fluchen (sollte zwar nicht sein, nimmt aber eine Menge Anspannung).

Langer Rede kurzer Sinn, nach doppelt so langer Zeit als geplant und manch mitleidigem, mißtrauischen, zweifelnden Blick von vorbeiflanierenden älteren Herren aus den bereits fertig-gestellten Häusern und Bemerkungen wie: Wäre es nicht gescheiter, da Fachleute rann zu lassen?" oder "Ein Bauunternehmen hätte schon das ganze Haus stehen", hatten wir unser erstes Geschoß aufgesetzt. Der große Moment rückte näher, wir konnten zum ersten Mal die Betonpumpe zum Befüllen bestellen. Diese kam an einem Samstagmorgen. Es war schon ein gutes Gefühl.

Nach ca. 20 Kubikmetern Füllmenge passierte es, in der dritten Reihe platzte ein Stein! Die graue Masse ergoß sich aus den Wänden und füllte mehr und mehr den Boden. "Oh Gott! Was jetzt? Los alle Eimer, Schubkarren, Schaufeln! Kinder helft!" Mir standen die Tränen kurz vorm Überlaufen.

Vor lauter Aufregung bemerkten wir gar nicht, was um uns herum geschah. Auf einmal waren viele helfende Hände da, die gesamte Nachbarschaft war gekommen und packte mit an. Ruck zuck war das Loch verschalt, ein provisorisches Gerüst gestellt und das ganze Elend beseitigt.

Anschließend das gemeinsame Aufatmen, ein kleiner Umtrunk, Kennenlernen. Nachbarn wurden zur Gemeinschaft.

Von jetzt an war alles viel leichter, denn wir wussten, wenn es hart auf hart kommt, ist Hilfe zur Stelle.
 
Diese Geschichte wurde uns von Christine Messerschmitt, Assmannshausen eingesandt.